Man erkennt immer noch, welche Seite der Stadt welche ist.
Wenn man in Berlin die Straße entlang geht, bleibt die Kluft bestehen. Es sind nicht nur Geister in den Mauern oder politische Spannungen, die unter dem Bürgersteig lauern. Es ist die Architektur, der Lebensrhythmus, das Wohlstandsgefälle. Aber eines ist schnell verblasst, fast unsichtbar: der spezifische Geschmack des Lebens hinter dem Eisernen Vorhang. Oder war es nur abgestandene Wurst?
Zum Glück gibt es „Die Volkskammer“ für jeden, der einen Vorgeschmack auf diese graue Vergangenheit haben möchte, ohne Zeitmaschinen ausgraben zu müssen.
Der Name bedeutet auf Deutsch „der Volksraum“. Es passt.
Ein Vorgeschmack auf die DDR
Dieser Ort ist nicht subtil.
Die Einrichtung schreit nach Ostblock. Überall Retro-Vibes, ja, aber auch eine ganz spezifische historische Ästhetik, die einen über die Schulter schauen lässt. An den Wänden hängen natürlich Porträts von Erich Honeacker, die einen beobachten. Der Architekt der Mauer starrt auf Ihr Essen. Isst du schneller, wenn er hinschaut? Vielleicht.
Auf der Speisekarte wird die Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes zurückgedrängt.
Es ist ganz der Küche der Deutschen Demokratischen Republik gewidmet. Nichts von diesem Fusion-Zeug.
Denken Sie an Jäger Schnitzel. Nicht das übliche Kalbfleischgericht, sondern ein Stück Jägerwurst, in Semmelbröseln paniert, gebraten, bis es zusammenhält, und auf einem Bett aus mit Ketchup übergossenen Makkaroni serviert. Klingt für westliche Gaumen, die an zarte Kräuter gewöhnt sind, seltsam? Gut. Es sollte so sein.
Und der Nachtisch. Oder besser gesagt, der Aufschnitt, der für die Generation vor der Einführung der Hot-Dog-Kultur wie ein Nachtisch wirkte. Der Kalter Hund.
Ein „kalter Hund“.
Es klingt wie eine Fehlübersetzung, bis man das Brot in der Hand hält.
Der Cold Dog ist immer noch da draußen. Ein Relikt der Bequemlichkeit und Knappheit.
Die Volkskammer bewahrt alles. Die draußen hängenden Fahnen, die hartnäckig zweckmäßigen Möbel, das Essen, das gleich schmeckte, weil sich achtundzwanzig Jahre lang nichts anderes verändert hatte.
Es funktioniert wie ein Restaurant, was hier der eigentliche Trick ist. Sie entscheiden sich für die Geschichte. Du bleibst, weil das Jäger-Schnitzel das Loch vielleicht doch füllen könnte.






















