Nach fast einem halben Jahrhundert seiner charakteristischen Politik der offenen Sitzplätze ist Southwest Airlines offiziell auf zugewiesene Sitzplätze und ein standardisiertes Boardingverfahren umgestiegen. Die Änderung, die am Dienstag in Kraft trat, stellt eine große Veränderung für die in Dallas ansässige Fluggesellschaft und ihren treuen Kundenstamm dar.

Das Ende einer Ära

Southwest war jahrzehntelang für sein First-Come-First-Served-Boarding-Verfahren bekannt, bei dem sich Passagiere an nummerierten Posten anstellten, um sich ihre bevorzugten Sitzplätze zu sichern. Dieses System wird nun durch zugewiesene Sitzplätze ersetzt, wodurch Southwest mit fast allen anderen großen US-Fluggesellschaften gleichzieht. Passagiere werden nun in nummerierten Gruppen zum Boarding aufgerufen, ähnlich wie es bei Fluggesellschaften üblich ist.

Die Änderung ist Teil einer umfassenderen Transformation bei Southwest, zu der die Einführung von Gebühren für aufgegebenes Gepäck und Anpassungen der Rapid Rewards-Kreditkartenangebote gehören. Im vergangenen Jahr wurde außerdem der „Wanna Get Away“-Tarif eingestellt und Sitzplätze mit mehr Beinfreiheit eingeführt.

Neue Tarifstruktur und Sitzplatzgebühren

Nach dem neuen System hängt die Sitzplatzauswahl vom gekauften Tarif ab:

  • Grundtarife (früher „Wanna Get Away“) beinhalten keine kostenlose Sitzplatzauswahl; Passagiere müssen für die Sitzplatzwahl einen Aufpreis zahlen.
  • Rapid Rewards A-List- und A-List Preferred-Mitglieder sowie diejenigen mit einer Southwest-Kreditkarte mit Co-Branding haben Anspruch auf eine kostenlose Sitzplatzauswahl. A-List Preferred-Mitglieder können bei der Buchung Sitzplätze mit mehr Beinfreiheit auswählen, während A-List-Mitglieder innerhalb von 48 Stunden nach Abflug ein Upgrade durchführen können.
  • Sitzplätze mit zusätzlicher Beinfreiheit sind jetzt auf allen Flügen verfügbar.

Optimierte Boarding-Gruppen

Die Fluggesellschaft hat außerdem ihre einzigartige Gate-basierte Boarding-Linie abgeschafft. Southwest nutzt jetzt acht Boarding-Gruppen, wobei A-List Preferred-Mitglieder und diejenigen mit Sitzplätzen mit mehr Beinfreiheit zuerst einsteigen (spätestens Gruppe 2). A-List-Mitglieder und Kreditkarteninhaber steigen in Gruppe 5 ein, während Passagiere mit Basic-Tarifen zuletzt einsteigen.

Ein von der Kundennachfrage getriebener Wandel?

Führungskräfte von Southwest behaupten, dass die Mehrheit der Kunden für zugewiesene Sitzplätze bereit sei, obwohl die Fluggesellschaft seit langem eine Identität mit offenem Boarding habe. Durch den Umzug entfällt für Passagiere die Notwendigkeit, genau 24 Stunden vor Abflug einzuchecken, um sich einen frühen Einstiegsplatz zu sichern.

Weitere Änderungen am Horizont

Über Sitzplätze und Boarding hinaus hat Southwest seine Partnerschaften mit internationalen Fluggesellschaften ausgeweitet, sodass Rapid Rewards-Mitglieder Punkte auf ausgewählten internationalen Flügen einlösen können. Die Fluggesellschaft hat außerdem dynamische Prämienpreise eingeführt und WLAN für alle Treuemitglieder kostenlos zur Verfügung gestellt.

Mit Blick auf die Zukunft erwägt Southwest weitere Änderungen, darunter Flughafenlounges (möglicherweise auf Hawaii) und sogar die Möglichkeit von Sitzplätzen in der ersten Klasse und internationalen Langstreckenflügen – Veränderungen, die einst für den Billigflieger undenkbar galten.

Die Änderungen sind bedeutend und läuten ein neues Kapitel für Southwest Airlines ein, da es sich an die sich verändernden Kundenerwartungen und Branchenstandards anpasst. Die Fluggesellschaft ist nun wettbewerbsfähiger gegenüber den alten Fluggesellschaften positioniert, behält aber dennoch einige ihrer typischen Vorteile für treue Kunden bei.